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Fraunhofer IBP: Wirkung von Klimaanpassungsmaßnahmen im Stadtraum

napol/stock.adobe.com, generiert mit KI

Das Fraunhofer IBP stellt Planungsbüros und Kommunen eine Webplattform bereit, die Temperatureffekte von Begrünung und Entsiegelung datenbasiert sichtbar macht.

Hitzewellen belasten dicht bebaute Städte zunehmend. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP stellt mit OASITY eine Webplattform bereit, die die Wirkung von Begrünung und Entsiegelung vor der Umsetzung simuliert.

Tagsüber erreichen die Temperaturen vielerorts fast 40 Grad Celsius, nachts sinken sie teils nicht mehr unter 20 Grad Celsius. Asphalt und Beton speichern in dicht bebauten Gebieten Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Welche Maßnahmen an welchen Orten den größten Effekt erzielen, bleibt jedoch häufig unklar. Die Webplattform OASITY des Fraunhofer IBP unterstützt Planungsbüros und Planungsämter dabei, verschiedene Varianten miteinander zu vergleichen.

Handlungsdruck trifft auf knappe Ressourcen

Viele Kommunen pflanzen bereits zusätzliche Bäume, begrünen Dächer oder entsiegeln Flächen. Zugleich müssen sie unter finanziellem Druck stärker begründen, welche Maßnahmen tatsächlich die größte Wirkung entfalten.

„Viele Städte wissen, dass sie handeln müssen. Die entscheidende Frage ist: Welche Maßnahme wirkt an welchem Ort am stärksten?“, sagt Matthias Winkler, Gruppenleiter Stadtbauphysikalische Modellierung am Fraunhofer IBP. „Simulationen helfen dabei, diese Frage auf Basis von Daten zu beantworten, bevor teure Investitionen getätigt werden.“

Forschungsmodell erreicht die Planungspraxis

Grundlage von OASITY bildet das frei verfügbare Stadtklimamodell PALM-4U. Es bildet stadtklimatische Prozesse ab, darunter thermischen Komfort, Luftströmungen, Kaltluftbewegungen und die Ausbreitung von Schadstoffen auf Stadt- und Quartiersebene. Bisher blieben solche Simulationen vor allem Forschungs- und Spezialanwendungen vorbehalten. Mit OASITY führen Planungsbüros und kommunale Planungsämter die Analysen eigenständig durch und vergleichen Szenarien systematisch. So bewerten sie etwa, wie stark eine Baumreihe einen Straßenzug kühlt oder was die Entsiegelung eines asphaltierten Platzes bringt. Die Plattform lässt sich in bestehende digitale Stadtmodelle und urbane digitale Zwillinge integrieren.

Begrünung senkt Temperatur und Energiebedarf

Simulationen und Messungen des Fraunhofer IBP belegen die Wirksamkeit von Begrünungsmaßnahmen. An heißen Sommertagen liegen die Oberflächentemperaturen unbegrünter Fassaden um bis zu 20 Grad Celsius höher als die begrünter Flächen. Die kühlere Gebäudehülle wirkt sich auch auf das Gebäudeinnere aus: Innenräume heizen sich weniger stark auf, der Bedarf an aktiver Kühlung sinkt. Zusätzlich profitieren Lüftungs- und Klimasysteme, wenn sie im gekühlten Umfeld arbeiten. Da die Fassade sich weniger aufheizt, reduziert sich der Kühlenergiebedarf im Gebäude.

Auch auf Quartiersebene werden die Effekte sichtbar. In Rosenheim ergaben Modellrechnungen, dass Begrünungsmaßnahmen an einem heißen Sommernachmittag die gefühlte Temperatur lokal um bis zu fünf Grad Celsius senken. Für den Münchner Stadtteil Giesing zeigen Simulationen eine Verringerung der Hitzebelastung um drei bis sieben Grad Celsius, abhängig von Standort und Ausgestaltung der Begrünung.

Simulationen schaffen Entscheidungsgrundlagen

„Simulationen ersetzen keine politische Abwägung“, sagt Winkler. „Sie machen jedoch sichtbar, welche Effekte verschiedene Maßnahmen im Stadtraum tatsächlich haben, und reduzieren damit Unsicherheiten in der Planung.“

Die Modelle bilden physikalische Effekte wie Temperatur, Wind oder Strahlung ab. Soziale oder nutzungsbezogene Faktoren gehören nicht zur Simulation, lassen sich aber mit den Ergebnissen überlagern und gemeinsam analysieren.

Nachfrage in Kommunen wächst

Mehr als zehn Kommunen und Planungsbüros nutzen die Plattform bereits, weitere erproben sie in Pilotprojekten. Seit 2024 hat das Fraunhofer IBP mehr als 100 Fachpersonen aus Planungsbüros und -ämtern geschult. Für 2027 plant das Institut, die Plattform um weitere Module zur Analyse zusätzlicher Klimarisiken zu erweitern.
Quelle: Fraunhofer IBP / oja

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