{"id":25497,"date":"2025-04-13T06:07:44","date_gmt":"2025-04-13T05:07:44","guid":{"rendered":"https:\/\/verdaenergy.de\/baustoffe-nachhaltig-nutzen-dank-materialkataster\/"},"modified":"2025-04-13T06:07:44","modified_gmt":"2025-04-13T05:07:44","slug":"baustoffe-nachhaltig-nutzen-dank-materialkataster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verdaenergy.de\/en\/baustoffe-nachhaltig-nutzen-dank-materialkataster\/","title":{"rendered":"Baustoffe nachhaltig nutzen dank Materialkataster"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1dn5d8f210\">Soll die Baubranche <a href=\"https:\/\/www.geb-info.de\/wohngesund-bauen\">nachhaltiger<\/a>\u00a0werden, m\u00fcssten unter anderem mehr Baumaterial recycelt und Bauteile wiederverwendet werden. Mit dem \u201eMaterialkataster Deutschland\u201c liefern Forschende des Leibniz-Instituts f\u00fcr \u00f6kologische Raumentwicklung (I\u00d6R) nun nach eigener Darstellung eine wichtige Grundlage f\u00fcr eine solche Kreislauff\u00fchrung im Baubereich. Erstmals, so das Institut, stehen damit Informationen zur Zusammensetzung und zur Verteilung von Baumaterialien fl\u00e4chendeckend f\u00fcr den gesamten Geb\u00e4udebestand in Deutschland zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2 class=\"aurora-text aurora-crosshead\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogocdim0\"><b>Mit zirkul\u00e4rem Bauen Ressourcen schonen<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/b><\/h2>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr1c0\">Fast 45 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs entfallen auf die Bauindustrie. Sie ist zudem einer der gr\u00f6\u00dften Verursacher von Treibhausgasen wie CO<sub>2<\/sub>. Diese entstehen nicht nur durch Heizen oder K\u00fchlen der Geb\u00e4ude, sondern auch bei der Herstellung von Baumaterialien, bei ihrem Transport zur Baustelle und beim Bau der Geb\u00e4ude selbst. Der Anteil dieser \u201egrauen Emissionen\u201c am globalen Treibhausgasaussto\u00df steigt kontinuierlich. Er ist ein Grund daf\u00fcr, dass L\u00e4nder wie Deutschland die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens im Bausektor regelm\u00e4\u00dfig verfehlen. Zugleich stecken in Geb\u00e4uden enorme Mengen an Materialien, die beim Abriss als Bauabfall anfallen. In Deutschland waren das 2022 \u00fcber 200 Millionen Tonnen, mehr als die H\u00e4lfte des gesamten Abfallaufkommens.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr250\">\u201eWenn es gel\u00e4nge, Baustoffe l\u00e4nger zu nutzen und nach dem Abriss von Geb\u00e4uden zu recyceln, wenn wir also zirkul\u00e4r bauen w\u00fcrden, dann k\u00f6nnte die Bauindustrie einen erheblichen Beitrag dazu leisten, den durch sie verursachten Klimawandel zu begrenzen, Ressourcen zu schonen und Umweltverschmutzung zu reduzieren\u201c, erl\u00e4utert Georg Schiller, Leiter der Forschungsgruppe \u201eAnthropogene und Nat\u00fcrliche Ressourcen\u201c am Leibniz-Institut f\u00fcr \u00f6kologische Raumentwicklung. Doch daf\u00fcr fehlten bisher essenzielle Grundlagen, etwa genaue Informationen dar\u00fcber, welche Materialien in Geb\u00e4uden verbaut sind, in welchen Mengen sie vorkommen und wie sie sich im Geb\u00e4udebestand verteilen.<\/p>\n<h2 class=\"aurora-text aurora-crosshead\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogocjfu0\"><b>Materialkataster Deutschland schlie\u00dft Informationsl\u00fccke<\/b><\/h2>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr370\">Mit dem I\u00d6R-Materialkataster Deutschland stellt das Institut nun erstmals diese zentrale Datenbasis bereit \u2013 fl\u00e4chendeckend f\u00fcr jede Gemeinde in Deutschland. Die Berechnungen f\u00fcr 2022 zeigen: In den 51,6 Millionen Geb\u00e4uden, die es in Deutschland gibt, stecken rund 20,8 Milliarden Tonnen Baustoffe. Mit einem Anteil von 46 Prozent ist Beton der dominierende Baustoff in diesem \u201eMateriallager\u201c, gefolgt von Kalksandstein und Ziegeln mit jeweils knapp zehn Prozent. Der Anteil nachwachsender Baumaterialien wie Holz, Schilf oder Stroh betr\u00e4gt nur etwa ein Prozent der Gesamtmasse. Auch Aussagen zur H\u00f6he der Treibhausgase, welche bei der Herstellung der Baumaterialien entstehen, lassen sich treffen. Hochgerechnet auf den gesamten Geb\u00e4udebestand von Deutschland im Jahr 2022 stecken etwa 2,86 Milliarden Tonnen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalent in den verbauten Materialien \u2013 so viel wie Deutschland insgesamt in vier Jahren emittiert. In Verbindung mit Informationen zum regionalen Abriss- und Neubaugeschehen in Kommunen macht das Materialkataster absch\u00e4tzbar, welches Material beim Abriss von Best\u00e4nden f\u00fcr ein Recycling zur Verf\u00fcgung steht und welcher Materialbedarf f\u00fcr den Neubau und die Sanierung damit gedeckt werden k\u00f6nnte. Auch die Mengen zu erwartender Bauabf\u00e4lle lassen sich mit Hilfe des Materialkatasters ermitteln.<\/p>\n<h2 class=\"aurora-text aurora-crosshead\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogoco4m0\"><b>Vom Geb\u00e4udetyp zu Baustoffart und -menge<\/b><\/h2>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr4l0\">Die Grundlage f\u00fcr den Aufbau des Materialkatasters bilden 3D-Geb\u00e4udemodelle des gesamten deutschen Bauwerksbestandes, wie sie das Bundesamt f\u00fcr Kartographie und Geod\u00e4sie (BKG) zur Verf\u00fcgung stellt. Diese Modelle werden mit Informationen und Daten angereichert. Unter anderem werden die Geb\u00e4ude entsprechend ihrer Funktion typisiert. So lassen sich etwa Wohn- und Nichtwohngeb\u00e4ude sowie weitere Unterkategorien ausdifferenzieren. \u201eAm Ende ergibt sich ein detailliertes Bild f\u00fcr den deutschen Geb\u00e4udebestand. Durch die Verwendung der 3D-Geb\u00e4udemodelle kennen wir das Bauwerksvolumen und k\u00f6nnen jedem Geb\u00e4ude einen bestimmten Typ \u2013 Wohngeb\u00e4ude oder Fabrikhalle, Eigenheim oder Mehrfamilienhaus \u2013 zuordnen. Daraus ergibt sich wiederum, welche Materialien in einem Haus in welcher Menge verbaut sind\u201c, erl\u00e4utert Reinhard Schinke, der ma\u00dfgeblich an der Erstellung des nationalen Materialkatasters mitgewirkt hat.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr5b0\">Denn den einzelnen Geb\u00e4udetypen k\u00f6nnen Materialkennzahlen zugeordnet werden. Diese typenbezogenen Materialkennzahlen sind ein Ergebnis langj\u00e4hriger Forschungsarbeiten am I\u00d6R. \u201eWir haben daf\u00fcr die f\u00fcr eine Geb\u00e4udeart, zum Beispiel ein Fabrikgeb\u00e4ude, typische Baukonstruktion analysiert. Vom Fundament \u00fcber die W\u00e4nde bis hin zu Decken und D\u00e4chern \u2013 f\u00fcr jedes Bauteil werden die \u00fcblicherweise eingesetzten Materialien und Materialmengen ermittelt. Dabei unterscheiden wir insgesamt 44 Baumaterialgruppen\u201c, erl\u00e4utert Georg Schiller. Je nach Geb\u00e4udetyp kommen mal mehr Beton wie bei Werkhalle oder B\u00fcrohochhaus oder mehr Ziegel und Holz wie bei Wohnh\u00e4usern zum Einsatz. Diese typische Zusammensetzung von unterschiedlichen Geb\u00e4uden spiegeln die entwickelten Materialkennzahlen wider. Sie sind \u00fcber das \u201eInformationssystem Gebaute Umwelt (ISBE)\u201c des I\u00d6R abrufbar \u2013 und sie bilden eine entscheidende Basis f\u00fcr die Aussagekraft des nationalen Materiakatasters. Das Materialkataster selbst, das Geodaten mit Materialkennzahlen verkn\u00fcpft, steht als Datensatz im Datenrepositorium \u201eioerDATA\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<figure class=\"aurora-image _right _fit-frame-height-to-content\" data-tap-fullscreen=\"\" data-component-id=\"doc-1iogoif890\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"Dominierender Baustoff ist hierzulande Beton, mit einem Anteil von 46 Prozent, gefolgt von Kalksandstein und Ziegeln mit jeweils knapp zehn Prozent.\" src=\"\/sites\/default\/files\/styles\/aurora_default\/public\/aurora\/2025\/04\/439955.jpeg?itok=WmgdzWQY\"\/><\/p>\n<p class=\"credit\" doc-editable=\"credit\">Ricardo Vigh \/ I\u00d6R-Media<\/p><figcaption doc-editable=\"caption\">Dominierender Baustoff ist hierzulande Beton, mit einem Anteil von 46 Prozent, gefolgt von Kalksandstein und Ziegeln mit jeweils knapp zehn Prozent.<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"aurora-text aurora-crosshead\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogocsnu0\"><b>Relevanz f\u00fcr Strategien zum zirkul\u00e4ren Bauen<\/b><\/h2>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr8r0\">Das I\u00d6R-Materialkataster Deutschland basiert in seiner aktuellen Form auf geb\u00e4udescharf durchgef\u00fchrten Analysen. Damit sind die bereitgestellten Informationen sehr wertvoll, da sie Richtwerte f\u00fcr typische Baumaterialzusammensetzungen vergleichbarer Geb\u00e4ude liefern. Das biete schon jetzt \u2013 vor allem auf strategischer Ebene \u2013 Potenziale f\u00fcr den Ausbau regionaler Materialkreisl\u00e4ufe bei der Planung zirkul\u00e4rer St\u00e4dte. \u201eIn Kombination mit Informationen zum Abriss- und Baugeschehen lie\u00dfe sich zum Beispiel f\u00fcr Kommunen realit\u00e4tsnah pr\u00fcfen, welchen Beitrag das Recycling von Betonbruch zur Deckung des lokalen Rohstoffbedarfs leisten kann und welche M\u00f6glichkeiten der sinnvollen Ausrichtung kommunalpolitischer Steuerungsinstrumente hieraus resultieren\u201c, beschreibt Georg Schiller eine beispielhafte Anwendung der Informationen aus dem Materialkataster. Grunds\u00e4tzlich biete das \u201eMaterialkataster Deutschland\u201c Basisinformationen f\u00fcr vielf\u00e4ltige Planungsaufgaben rund um eine effiziente Bewirtschaftung des vorhandenen Materiallagers im Bauwerksbestand und senke damit Kosten der Datenbeschaffung. Die Konstruktionsweise einzelner Geb\u00e4ude bleibt dabei notwendigerweise unscharf. \u201eDer typenbasierte Ansatz vernachl\u00e4ssigt individuelle Besonderheiten. Auf der Geb\u00e4udeebene k\u00f6nnen daher keine exakten Angaben zur tats\u00e4chlichen Materialzusammensetzung eines konkreten Bauwerks gemacht werden\u201c, erl\u00e4utert Schiller.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobr9h0\">Die Daten k\u00f6nnen von Kommunen, Architekturb\u00fcros sowie Haltern gr\u00f6\u00dferer Bauwerkbest\u00e4nde ebenso aufgegriffen werden wie von Beratungsunternehmen und Start-ups auf dem Gebiet des zirkul\u00e4ren Bauens. Sie k\u00f6nnen die Informationen direkt nutzen oder mit eigenen, detaillierteren Daten anreichern, um daraus Gesch\u00e4ftsmodelle abzuleiten, etwa die Entwicklung von Geb\u00e4udep\u00e4ssen oder die Erstellung nachhaltiger R\u00fcckbau- und Wiederverwendungskonzepte im Rahmen sogenannter \u201ePre-Demolition-Audits\u201c. Auch f\u00fcr Recyclingunternehmen sind die Daten von Interesse, da sie helfen, k\u00fcnftig anfallendes Abbruchmaterial besser abzusch\u00e4tzen und auf dieser Basis Gesch\u00e4ftsmodelle aufzubauen.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogobrbk0\">\u201eDie Forschung zu den Grundlagen f\u00fcr das Materialkataster Deutschland besch\u00e4ftigt uns am I\u00d6R bereits seit deutlich mehr als zehn Jahren und sie ist auch noch lange nicht abgeschlossen\u201c, erl\u00e4utert Georg Schiller. Auch weiterhin werde daran gearbeitet, die Methoden weiterzuentwickeln und Daten zu verfeinern, um das Spektrum der Anwendungen zu erweitern. \u201eMehr Genauigkeit w\u00fcrde zum Beispiel die weitere Ausdifferenzierung der Geb\u00e4ude, etwa durch Ber\u00fccksichtigung ihres Baualters, bringen. Denn ein Mehrfamilienhaus aus der Gr\u00fcnderzeit besteht aus deutlich anderen Baumaterialien als eines, das nach Kriegsende in den 1950er Jahren errichtet wurde. Auch eine Einsch\u00e4tzung von Schadstoffrisiken k\u00f6nnte hieran ankn\u00fcpfen\u201c, so der Wissenschaftler. Wie bei der bisherigen Forschung arbeitet das I\u00d6R auch weiterhin mit vielf\u00e4ltigen Akteuren des zirkul\u00e4ren Bauens in Planungsb\u00fcros, in Beh\u00f6rden und in der Industrie zusammen, die diese Daten ben\u00f6tigen. Quelle:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.ioer.de\/\">I\u00d6R<\/a>\u00a0\/ ab\u00a0<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1iogof5rt0\">H\u00f6ren Sie zum Thema auch unseren Podcast Geb\u00e4udewende #21: \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1y4hiOvc6Wo\">So kommt die Kreislaufwirtschaft am Bau voran<\/a>\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.geb-info.de\/wohngesund-bauen\/baustoffe-nachhaltig-nutzen-dank-materialkataster\">source<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soll die Baubranche nachhaltiger\u00a0werden, m\u00fcssten unter anderem mehr Baumaterial recycelt und Bauteile wiederverwendet werden. 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