{"id":29467,"date":"2026-06-27T14:07:50","date_gmt":"2026-06-27T13:07:50","guid":{"rendered":"https:\/\/verdaenergy.de\/gut-beraten-zu-einer-zukunftsfaehigen-waermeversorgung\/"},"modified":"2026-06-27T14:07:50","modified_gmt":"2026-06-27T13:07:50","slug":"gut-beraten-zu-einer-zukunftsfaehigen-waermeversorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verdaenergy.de\/en\/gut-beraten-zu-einer-zukunftsfaehigen-waermeversorgung\/","title":{"rendered":"Gut beraten zu einer zukunftsf\u00e4higen W\u00e4rmeversorgung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna7op20\">Herr Mangold, Solites wurde vor 20 Jahren gegr\u00fcndet.\u00a0Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 2005 haben die Ingenieurinnen und Ingenieure bei Solites mehr als 200 Projekte im In- und Ausland bearbeitet. Mit welcher Vision sind Sie damals gestartet, und hat sie sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna83vr0\"><b>Dirk Mangold:<\/b> Thomas Schmidt, heute Seniorexperte und Projektleiter bei Solites, und ich waren einige Jahre am Institut f\u00fcr Thermodynamik und W\u00e4rmetechnik der Universit\u00e4t Stuttgart f\u00fcr das Pilot- und Demonstrationsprogramm Solarthermie-2000 t\u00e4tig. Dabei ging es um die wissenschaftliche Begleitung solar unterst\u00fctzter Nahw\u00e4rmesysteme. Auch beim Nachfolgeprogramm Solarthermie 2000+ haben wir viel geforscht und die Ergebnisse direkt in der Praxis umgesetzt. Dabei kamen Punkte wie Haftungsfragen auf, die f\u00fcr eine Universit\u00e4t schwierig zu handeln waren. Wir wollten die technologische Entwicklung aber nicht aufgeben. Wir befanden uns mit <a href=\"https:\/\/www.geb-info.de\/solartechnik\">solaren W\u00e4rmenetzen<\/a> auf dem Weg zur Marktreife, die Technologie wollten wir voll in den Markt bringen. Und das hat dazu gef\u00fchrt, dass wir uns ein Dach f\u00fcr unsere Aktivit\u00e4ten gesucht und in der damaligen Steinbeis-Stiftung gefunden haben. Ein sehr professionelles Unternehmen zur Wirtschaftsf\u00f6rderung und f\u00fcr Technologietransfer, das uns mit unserem Thema aufgenommen hat. So ist <a href=\"https:\/\/www.solites.de\/\">Solites<\/a> entstanden.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnaal5m0\">Frau Berberich, Sie teilen sich mit Herrn Mangold seit 2025 die Unternehmensleitung. Wie teilen Sie sich die Verantwortung auf, und was macht Ihre Zusammenarbeit besonders?<\/p>\n<figure class=\"aurora-image _right _fit-frame-height-to-content\" data-tap-fullscreen=\"\" data-component-id=\"doc-1jrvh4bdb0\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"Seit 20 Jahren arbeitet Solites als unabh\u00e4ngiges Forschungs-, Beratungs- und Transferunternehmen zu zukunftsf\u00e4higen thermischen Energiesystemen. Es ist \u00fcber die Jahre nicht nur thematisch, sondern auch personell gewachsen: von urspr\u00fcnglich zwei auf inzwischen 18 Mitarbeitende. Das Unternehmen freut sich \u00fcber eine ausgewogene Teamstruktur: Heute arbeiten bei Solites fast genauso viele Frauen wie M\u00e4nner. Vielfalt, Eigenverantwortung und das gute Arbeitsklima im Team nennt Unternehmensleiterin Magdalena Berberich als Erfolgsfaktoren f\u00fcr kreative L\u00f6sungen und produktive Projektarbeit.\" src=\"\/sites\/default\/files\/styles\/aurora_default\/public\/aurora\/2026\/06\/546579.jpeg?itok=vDhToOwo\"\/><\/p>\n<p class=\"credit\" doc-editable=\"credit\">Solites<\/p><figcaption doc-editable=\"caption\">Seit 20 Jahren arbeitet Solites als unabh\u00e4ngiges Forschungs-, Beratungs- und Transferunternehmen zu zukunftsf\u00e4higen thermischen Energiesystemen. Es ist \u00fcber die Jahre nicht nur thematisch, sondern auch personell gewachsen: von urspr\u00fcnglich zwei auf inzwischen 18 Mitarbeitende. Das Unternehmen freut sich \u00fcber eine ausgewogene Teamstruktur: Heute arbeiten bei Solites fast genauso viele Frauen wie M\u00e4nner. Vielfalt, Eigenverantwortung und das gute Arbeitsklima im Team nennt Unternehmensleiterin Magdalena Berberich als Erfolgsfaktoren f\u00fcr kreative L\u00f6sungen und produktive Projektarbeit.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna6vvg0\"><b>Magdalena Berberich:<\/b> Ich bin seit 2015 bei Solites und habe als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Projekten mitgearbeitet. 2021 hat Herr Mangold mich als Stellvertreterin in die Unternehmensleitung geholt. Das Unternehmen und die Projekte wurden gr\u00f6\u00dfer und komplexer. Au\u00dferdem wollte er rechtzeitig den Generationswechsel einleiten und sein Know-how weitergeben, was das F\u00f6rdermanagement, Finanzthemen und die Verwaltung angehen. Ein wichtiger Teil der Arbeit in der Leitung ist es, das Netzwerk in Deutschland und international auszubauen, um neue Projektpartner zu finden und Projekte zu akquirieren. Seit Anfang 2025 bin ich gleichberechtigt in der Leitung und wir erg\u00e4nzen uns sehr gut in der Zusammenarbeit. Es hat sich Einiges getan. Solites ist kein reines Forschungsinstitut mehr, sondern wir sind ein Unternehmen f\u00fcr Forschung, Beratung und Transfer. Wir haben vergangenes Jahr mit der Steinbeis Solites GmbH ein eigenst\u00e4ndiges Unternehmen gegr\u00fcndet, um diese Entwicklung hin zu mehr Beratung weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnab6so0\">Das hei\u00dft fr\u00fcher war die T\u00e4tigkeit von Solites eher von Forschungsf\u00f6rderung abh\u00e4ngig, w\u00e4hrend heutzutage eher Firmen zu Ihren Auftraggebern z\u00e4hlen?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna700h0\"><b>Mangold:<\/b> Auch schon zu Beginn haben wir beispielsweise mit Stadtwerken zusammengearbeitet. Unsere Forschung fand ja nicht im Labor statt, sondern in Wohnsiedlungen. Wir hatten von daher immer schon beide Standbeine. Es hat sich aber in den vergangenen Jahren von der Art her weiterentwickelt, sodass zunehmend Industrieunternehmen Forschungsprojekte leiten, an denen wir mitarbeiten \u2013 und der Anteil der Beratungsprojekte w\u00e4chst.<\/p>\n<blockquote class=\"aurora-blockquote\" data-component-id=\"doc-1jrnb293p0\">\n<figure class=\"blockquote-image\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=UTF-8,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20620%20350%22%20preserveAspectRatio%3D%22none%22%3E%3C%2Fsvg%3E\"\/><br \/>\n <\/figure>\n<p>\n <span class=\"quotation-mark\"\/><br \/>\n <span class=\"quote\" doc-editable=\"text\">Magdalena Berberich:\u00a0Es besteht die Notwendigkeit, jeweils das ganze W\u00e4rmenetzsystem zu dekarbonisieren anstatt nur einen kleinen Teil Solarthermie zu integrieren.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/span>\n <\/p>\n<footer doc-editable=\"author\"\/>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna700p0\"><b>Berberich:<\/b> Sowohl die Forschungs- als auch die Beratungsprojekte sind gr\u00f6\u00dfer geworden. Als ich bei Solites angefangen habe, haben wir h\u00e4ufig Konzept- oder Simulationsstudien durchgef\u00fchrt. Zum Beispiel f\u00fcr Projekte, wo in ein kleineres W\u00e4rmenetz eine Solarthermieanlage und ein W\u00e4rmespeicher eingebunden werden sollte. Das Aufgabenfeld hat sich erweitert. Es besteht nun die Notwendigkeit, jeweils das ganze W\u00e4rmenetzsystem zu dekarbonisieren anstatt nur einen kleinen Teil Solarthermie zu integrieren. Inzwischen betrachten wir vor Ort die Potenziale aller erneuerbaren Energien oder auch industrieller Abw\u00e4rme und wie sie sich in ein W\u00e4rmenetz integrieren lassen, um bis sp\u00e4testens 2045 klimaneutral zu sein. Es handelt sich also um gr\u00f6\u00dfere Aufgaben und komplexere Fragestellungen. Deshalb geht es bei uns seltener um Beratung f\u00fcr ein abgegrenztes Themengebiet, sondern h\u00e4ufiger um die Mitwirkung in einem Konsortium mit mehreren Beteiligten, die das Gesamtthema bearbeiten.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnabo240\">Sie haben nicht mehr nur den Blick auf die Solarthermie, sondern das ganze System, in dem die Solarthermie eventuell eine Komponente sein kann.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna701p0\"><b>Berberich:<\/b> Genau, die Solarthermie kann ein Bestandteil sein. Je nach Randbedingungen, ob beispielsweise Fl\u00e4chen verf\u00fcgbar sind oder ob sie zum ben\u00f6tigten Temperaturniveau passt. Es kann aber auch sein, dass andere Energiequellen infrage kommen. Oder es ist Abw\u00e4rme vorhanden, die sich im Jahresverlauf eventuell nicht mit Solarthermie kombinieren l\u00e4sst. Solarthermie stellt h\u00e4ufig eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle Variante dar, aber eben nicht immer. Deshalb ist es f\u00fcr uns wichtig, dass wir alle klimaneutralen und wirtschaftlichen Energietechnologien f\u00fcr ein W\u00e4rmeversorgungssystem betrachten.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnac7c50\">Gibt es ein Projekt, das Sie f\u00fcr die Entwicklung Ihres Unternehmens als besonders wichtig oder richtungsweisend ansehen?<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<figure class=\"aurora-image _right _fit-frame-height-to-content\" data-tap-fullscreen=\"\" data-component-id=\"doc-1jrnb3n200\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"Nicht nur Solarthermie: Das Themenfeld von Solites hat sich \u00fcber die Jahre stark erweitert.\" src=\"\/sites\/default\/files\/styles\/aurora_default\/public\/aurora\/2026\/06\/545356.jpeg?itok=SkUAiNuz\"\/><\/p>\n<p class=\"credit\" doc-editable=\"credit\">Solites<\/p><figcaption doc-editable=\"caption\">Nicht nur Solarthermie: Das Themenfeld von Solites hat sich \u00fcber die Jahre stark erweitert.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna702k0\"><b>Mangold:<\/b> Schwierig. Wir haben begonnen mit der Vision, gro\u00dfe Solarthermieanlagen und Gro\u00dfw\u00e4rmespeicher in den Markt einzuf\u00fchren. Seitdem haben wir unser Aufgabengebiet stetig verbreitert. Wir haben zum Beispiel einen eigenen Bereich f\u00fcr Erdw\u00e4rmesonden aufgebaut. Wir beraten aber auch zum Einsatz von \u00dcberschussstrom in W\u00e4rmenetzen oder betrachten die M\u00f6glichkeiten von W\u00e4rmepumpen aller Art, Bioenergie oder Abwasser. Wir simulieren verschiedenste Systeme und entwerfen Ausbauszenarien f\u00fcr W\u00e4rmenetze. Wir hatten schon mehrere Projekte zu industrieller Abw\u00e4rme. Entsprechend ist unser Team gewachsen. Ein Meilenstein f\u00fcr uns war sicherlich die W\u00e4rmedrehscheibe Hennigsdorf.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna702u0\"><b>Berberich:<\/b> Einfach dadurch, dass es ein sehr umfassendes Projekt war. Es ist erst 2025 nach neun Jahren Laufzeit zu Ende gegangen. Es handelte sich somit um ein au\u00dfergew\u00f6hnlich lange laufendes Forschungsprojekt mit Pilotumsetzung. Das Besondere an dem Projekt: Die Stadtwerke Hennigsdorf hatten es einerseits Jahre vor der durch den Gesetzgeber vorgeschriebenen kommunalen W\u00e4rmeplanung begonnen. Andererseits wurde das gesamte W\u00e4rmenetz betrachtet, mit industrieller Abw\u00e4rmeeinkopplung, mit W\u00e4rmespeichern, mit Optimierung, mit Lastverteilung. Thema war nicht nur einzelne Erzeugungsanlagen, sondern auch wie die W\u00e4rme im W\u00e4rmenetz transportiert wird. Kommt sie \u00fcberhaupt \u00fcberall hin, wenn am Rand des W\u00e4rmenetzes eine gro\u00dfe industrielle volatile Abw\u00e4rme zur Verf\u00fcgung steht? Wir haben Fragestellungen bearbeiten k\u00f6nnen, aus denen wir viele Erkenntnisse herausziehen konnten. Wegweisend f\u00fcr die gesamte Branche an dem Projekt war, dass es so fr\u00fch begonnen hat und damit ein echtes Pionierprojekt ist.<\/p>\n<blockquote class=\"aurora-blockquote\" data-component-id=\"doc-1jrnb6chf0\">\n<figure class=\"blockquote-image\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=UTF-8,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20620%20350%22%20preserveAspectRatio%3D%22none%22%3E%3C%2Fsvg%3E\"\/><br \/>\n <\/figure>\n<p>\n <span class=\"quotation-mark\"\/><br \/>\n <span class=\"quote\" doc-editable=\"text\">Dirk Mangold: Bei den Gro\u00dfanlagen sehen wir eine stetige Marktentwicklung. Eine langsame zwar, aber das ist typisch f\u00fcr die Investorenbranche.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/span>\n <\/p>\n<footer doc-editable=\"author\"\/>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnacpdd0\">Sie haben die kommunale W\u00e4rmeplanung angesprochen. Mit ihr r\u00fccken W\u00e4rmenetze st\u00e4rker in den Fokus und damit auch wieder die M\u00f6glichkeit gro\u00dfer Solarthermie. Wie w\u00fcrden Sie die Rolle der Solarthermie heute beschreiben?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna703n0\"><b>Mangold:<\/b> Ich glaube, man muss zwischen dem Geb\u00e4udebereich und dem Gro\u00dfanlagenbereich unterscheiden. Die negative Marktentwicklung im Geb\u00e4udebereich ist ja bekannt. Bei den Gro\u00dfanlagen sehen wir eine stetige Marktentwicklung. Eine langsame zwar, aber das ist typisch f\u00fcr die Investorenbranche. Das haben wir von Anfang an gesagt. Stadtwerke sind kein Markt, der nach ein, zwei Jahren boomt, auch bedingt nat\u00fcrlich durch schwierige Randbedingungen wie lange Genehmigungsprozesse etc. Aber zu Ihrer Frage: Die Solarthermie ist f\u00fcr Stadtwerke mittlerweile eine ganz normale W\u00e4rmeerzeugungstechnologie. Es gibt mehrere Anbieter, die solche Systeme schl\u00fcsselfertig anbieten. Da braucht es keine Beratung unsererseits mehr. Das Marktpotenzial ist einsortiert durch gro\u00dfe Studien von Prognos beispielsweise mit zehn Millionen Quadratmeter Kollektorfl\u00e4che in W\u00e4rmenetzen. Solarthermie wird Teil eines gr\u00f6\u00dferen, insgesamt erneuerbaren Erzeugerparks sein.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnad9e10\">Wo sehen Sie derzeit die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden?<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna704j0\"><b>Mangold:<\/b> Stadtwerke sind vor allem an Beratung zur Dekarbonisierung interessiert. Dies ist gesetzliche Pflicht bis 2045 und der Gesetzgeber schreibt es mit den Transformationspl\u00e4nen vor. Solarthermie ist oft Bestandteil davon, auch mit wirklich gro\u00dfen Fl\u00e4chen von mehreren 10.000 Quadratmetern und mehr, aber sie geh\u00f6rt nicht zu den Technologien, in die zuerst investiert wird. Solarthermieanlagen sind zwar \u00fcber viele Jahre fast betriebskostenfrei, aber eben hochinvestiv. Das ist der erste gro\u00dfe Flaschenhals. Deshalb beginnt man mit den weniger investiven und schneller genehmigungsf\u00e4higen Ma\u00dfnahmen. Daran erkennt man die zweite Aufgabe, vor der wir stehen: N\u00e4mlich die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Dahingehend gibt es schon erste Schritte mit dem Geothermiebeschleunigungsgesetz. F\u00fcr die Solarthermie ist die Umsetzung der RED-III-Richtlinie in der Diskussion.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnadk7t0\">Die W\u00e4rmewende gilt als die \u201evergessene Schwester&#8220; der Stromwende. Warum tut sich Deutschland mit der Dekarbonisierung des W\u00e4rmesektors so schwer, und was m\u00fcsste sich politisch \u00e4ndern?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna705h0\"><b>Berberich:<\/b> Wobei sie eigentlich die gr\u00f6\u00dfere Schwester ist. Nicht nur Deutschland tut sich schwer, die W\u00e4rme zu dekarbonisieren. Das liegt an den komplexeren Fragestellungen. W\u00e4rme muss lokal erzeugt werden. Rein technisch gesehen geht es nicht nur um Mengen und Leistungen, sondern es m\u00fcssen auch die Temperaturen passend bereitgestellt und geliefert werden. Das f\u00fchrt zu einer h\u00f6heren Komplexit\u00e4t in der Betrachtung von Projekten. Gut ist f\u00fcr den Sektor, dass es mit der Bundesf\u00f6rderung effiziente W\u00e4rmenetze, BEW, eine Investitionsf\u00f6rderung gibt. Denn Kapitalzugang f\u00fcr Investoren stellt h\u00e4ufig ein Hemmnis dar. Aber es tut sich auf alle F\u00e4lle etwas, sowohl im Forschungs- wie im Investitionsbereich. 2025 wurde zum Beispiel f\u00fcr W\u00e4rmespeicher das innovative F\u00f6rderprogramm Urban Arena gestartet. Das wird einen gro\u00dfen Impuls geben, dass W\u00e4rmespeicher f\u00fcr W\u00e4rmenetze untersucht und entwickelt werden und dann in die Umsetzung kommen.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<blockquote class=\"aurora-blockquote\" data-component-id=\"doc-1jrnbbolc0\">\n<figure class=\"blockquote-image\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=UTF-8,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20620%20350%22%20preserveAspectRatio%3D%22none%22%3E%3C%2Fsvg%3E\"\/><br \/>\n <\/figure>\n<p>\n <span class=\"quotation-mark\"\/><br \/>\n <span class=\"quote\" doc-editable=\"text\">Magdalena Berberich:\u00a0In Deutschland oder auch in anderen L\u00e4ndern Europas gibt es viele W\u00e4rmenetze, die Temperaturen \u00fcber 100 Grad Celsius ben\u00f6tigen. Konzentrierende Kollektoren k\u00f6nnten diese effizient bereitstellen und eine sinnvolle Erg\u00e4nzung sein.<\/span>\n <\/p>\n<footer doc-editable=\"author\"\/>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnadvni0\">Kommen wir zur Technologie zur\u00fcck. Welche Fragen stellen sich dahingehend aktuell?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna706b0\"><b>Mangold:<\/b> Systemintegration ist der ganz wichtige Punkt, also das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher erneuerbarer Erzeuger unter Einbindung von gro\u00dfen W\u00e4rmespeichern. Und beim Zusammenspiel gibt es immer zwei Dinge zu beachten. Einmal die Gesamthydraulik, also wie verbinde ich die Erzeuger miteinander. Zum zweiten die Regelung, also wie betreibe ich die Erzeuger. Wo es au\u00dferdem noch Forschungsbedarf gibt, ist bei der Solarthermie f\u00fcr hohe Temperaturen.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna706j0\"><b>Berberich:<\/b> Bei unserem Forschungsprojekt ProSolNetz geht es darum, konzentrierende Parabolrinnenkollektoren f\u00fcr die Verwendung in W\u00e4rmenetzen zu untersuchen. Sie werden bisher zur Stromerzeugung oder in der industriellen W\u00e4rmebereitstellung eingesetzt, weil dort oft hohe Temperaturen gebraucht werden. In Deutschland oder auch in anderen L\u00e4ndern Europas gibt es viele W\u00e4rmenetze, die Temperaturen \u00fcber 100 Grad Celsius ben\u00f6tigen. Konzentrierende Kollektoren k\u00f6nnten diese effizient bereitstellen und eine sinnvolle Erg\u00e4nzung sein. Genau das wollen wir untersuchen und damit mehr M\u00f6glichkeiten schaffen, um Solarthermie in W\u00e4rmenetze einzubinden. Auch auf internationaler Ebene gab es bis 2025 eine Zusammenarbeit im IEA SHC Task 68 zu dem Thema.<\/p>\n<blockquote class=\"aurora-blockquote\" data-component-id=\"doc-1jrnbefor0\">\n<figure class=\"blockquote-image\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=UTF-8,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20620%20350%22%20preserveAspectRatio%3D%22none%22%3E%3C%2Fsvg%3E\"\/><br \/>\n <\/figure>\n<p>\n <span class=\"quotation-mark\"\/><br \/>\n <span class=\"quote\" doc-editable=\"text\">Dirk Mangold:\u00a0Der Ausbau der W\u00e4rmenetze wird dazu f\u00fchren, dass die Temperaturabsenkung, die man sich aus Effizienzgr\u00fcnden w\u00fcnscht, gar nicht \u00fcberall m\u00f6glich ist.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/span>\n <\/p>\n<footer doc-editable=\"author\"\/>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70700\"><b>Mangold:<\/b> Ein Aspekt, auf den ich diesbez\u00fcglich noch hinweisen m\u00f6chte: Bestandsw\u00e4rmenetze sollen im Zuge der kommunalen W\u00e4rmeplanung erweitert werden, das hei\u00dft mehr Geb\u00e4ude werden angeschlossen. Damit muss das Bestandsnetz mehr W\u00e4rme und mehr W\u00e4rmeleistung zur Verf\u00fcgung stellen. Einige Stadtwerke haben schon berechnet, dass sie durch ihre bestehenden Rohrleitungen zwar mehr Leistung durchbekommen, aber nicht, wenn sie die Temperatur absenken. Also, der Ausbau der W\u00e4rmenetze wird dazu f\u00fchren, dass die Temperaturabsenkung, die man sich aus Effizienzgr\u00fcnden w\u00fcnscht, gar nicht \u00fcberall m\u00f6glich ist. Fr\u00fcher haben wir immer gesagt, die Solarthermie funktioniert, wenn man die Temperatur im W\u00e4rmenetz absenkt. In diesen F\u00e4llen m\u00fcssen wir die Aussage umdrehen und sagen: Die Solarthermie muss auch f\u00fcr W\u00e4rmenetze funktionieren, die auf hohen Temperaturen arbeiten.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnafh530\">Wenn wir \u00fcber Solarthermie und W\u00e4rmenetze sprechen, dann m\u00fcssen wir auch \u00fcber W\u00e4rmespeicher sprechen. Erkennen Sie technologische Entwicklungen in n\u00e4herer Zukunft, die es zu beachten gilt?<\/p>\n<figure class=\"aurora-image _right _fit-frame-height-to-content\" data-tap-fullscreen=\"\" data-component-id=\"doc-1js3qpspt0\">\n <img decoding=\"async\" class=\"aurora-doc-image\" alt=\"Solites arbeitet mit dem Ziel, erneuerbare W\u00e4rmesysteme weiterzuentwickeln und innovative L\u00f6sungen in den Markt zu bringen. W\u00e4rmenetze standen dabei stets im Fokus.\" src=\"\/sites\/default\/files\/styles\/aurora_default\/public\/aurora\/2026\/06\/546580.jpeg?itok=dCl2ImyD\"\/><\/p>\n<p class=\"credit\" doc-editable=\"credit\">Solites<\/p><figcaption doc-editable=\"caption\">Solites arbeitet mit dem Ziel, erneuerbare W\u00e4rmesysteme weiterzuentwickeln und innovative L\u00f6sungen in den Markt zu bringen. W\u00e4rmenetze standen dabei stets im Fokus.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70910\"><b>Mangold:<\/b> Gute Frage. Ein Riesengebiet. Ich versuche mal eine schnell zusammengefasste Antwort. Zum Einstieg: Gro\u00dfe Solarthermie f\u00fcr W\u00e4rmenetze ist nicht zwangsweise mit Speichern verbunden. Es gibt auch sehr, sehr gro\u00dfe Fl\u00e4chen, die keinen Speicher ben\u00f6tigen, weil sie in ein noch gr\u00f6\u00dferes W\u00e4rmenetz einspeisen. Das Zweite ist: Gro\u00dfw\u00e4rmespeicher werden auch f\u00fcr Projekte notwendig sein, die ohne Solarthermie auskommen, weil trotzdem im Sommer viel mehr W\u00e4rme vorhanden ist als ben\u00f6tigt wird und der Versorger deshalb gro\u00dfe W\u00e4rmespeicher integrieren will. Gro\u00dfer W\u00e4rmespeicher hei\u00dft im Prinzip ab 100 Kubikmeter aufw\u00e4rts.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70a50\">Insbesondere, wenn man jetzt viele 1.000 Kubikmeter W\u00e4rmespeichervolumen ben\u00f6tigt, muss der Nutzen im Vergleich zur Investition genau betrachtet werden. Heute sind vor allem Stadtwerke an W\u00e4rmespeichern interessiert. Es kommen aber auch Anfragen aus der Industrie und alle werden den Speicher einsetzen, der am wirtschaftlichsten ist.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70al0\">Wenn ich den Speicher mindestens einmal am Tag komplett be- und entlade, dann k\u00f6nnen das oberirdische Stahltanks sein. F\u00fcr eine Speicherzyklenzahl von 30 bis 60 \u2013 Anzahl Be- und Entladung im Jahr \u2013 sind solche Speicher unwirtschaftlich, weil sie investiv sehr teuer sind. Hier braucht es kosteng\u00fcnstigere Bauformen, wie zum Beispiel Erdbecken-W\u00e4rmespeicher, Aquifer-W\u00e4rmespeicher oder Erdsonden-W\u00e4rmespeicher. Diese k\u00f6nnen saisonal genutzt werden. Wir sagen aber heute, eine multifunktionale Nutzung verbessert die Wirtschaftlichkeit deutlich. Erdbeckenw\u00e4rmespeicher sind mit Wasser gef\u00fcllt, weil f\u00fcr diese gro\u00dfe Menge Wasser das beste Speichermedium ist. Es ist \u00fcberall verf\u00fcgbar, kosteng\u00fcnstig, nicht brennbar und nicht giftig. Thermochemische W\u00e4rmespeicher oder Latentw\u00e4rmespeicher sind von den Materialien her wesentlich teurer und daher eher etwas f\u00fcr kleinere Volumen. Es gibt interessante Entwicklungen mit neuartigen Materialien f\u00fcr unterschiedliche Anwendungen, auch f\u00fcr sehr hohe Temperaturen, die mit Sektorenkopplung Sinn machen. Da ist Einiges in Entwicklung.<\/p>\n<p class=\"aurora-question\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrnag34c0\">Wenn Sie 20 Jahre in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie Solites im Jahr 2046 und welche Rolle werden solare W\u00e4rme und thermische Speicher im Energiesystem spielen?<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70c50\"><b>Berberich:<\/b> 2046 ist gem\u00e4\u00df den Klimaschutzzielen die Energieversorgung in Deutschland klimaneutral. Bis dahin ist noch Vieles zu tun und zu erforschen. Auch, weil viele Technologien noch innovativ sind und bisher nicht den Stand der Technik erreicht haben. Aber selbst, wenn wir in einer dekarbonisierten Energiewelt leben, wird es nat\u00fcrlich noch Aufgaben geben. Die Technik wird sich weiterentwickeln, es wird Umbauten geben, es wird Sanierungen geben, es wird Betriebsoptimierung geben. Auch der Wissenstransfer in andere L\u00e4nder wird sicher ein Thema sein.<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70cm0\"><b>Mangold:<\/b> Im Jahr 2046 wird solare W\u00e4rme ein integrierter Bestandteil des Erzeugerparks von W\u00e4rmenetzen und Industrieanlagen in den F\u00e4llen sein, in denen deren Einsatz f\u00fcr den Investor wirtschaftlich ist. Allein f\u00fcr Gro\u00dfw\u00e4rmespeicher in W\u00e4rmenetzen prognostiziert der AGFW ein notwendiges Investitionsvolumen von rund elf Milliarden Euro bis 2045. Daher werden in 2046 einige Gro\u00dfw\u00e4rmespeicher in Betrieb sein.<\/p>\n<p class=\"aurora-text aurora-body\" doc-editable=\"text\" data-component-id=\"doc-1jrna70d60\"><i>Die Fragen stellte Joachim Berner.<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.geb-info.de\/solartechnik\/gut-beraten-zu-einer-zukunftsfaehigen-waermeversorgung\">source<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Mangold, Solites wurde vor 20 Jahren gegr\u00fcndet.\u00a0Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 2005 haben die Ingenieurinnen und Ingenieure bei Solites mehr als 200 Projekte im In- und Ausland bearbeitet. 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