Ob und in welchem Umfang eine Wärmepumpe das Klima und den Geldbeutel entlastet, hängt von einer präzisen Planung und einer korrekte Montage ab. Erfahrungsberichte von Eigentümern und Experten zeigen, dass da noch Luft nach oben ist. Aus diesem Grund hat der Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) ein Update für seine Studie „Die 10 häufigsten Fehler beim Neubau und der Sanierung von Wohngebäuden mit Wärmepumpen“ beim Institut für Bauforschung (IfB) in Auftrag gegeben.
Auf diese 10 Punkte sollten Eigentümer:innen und Fachbetriebe besonders achten:
1. Leckagen im Kältemittelkreislauf
Undichte Stellen, kontinuierlicher Austritt von Kältemittel – in der Folge sinkt die Heizleistung und steigt der Stromverbrauch. Findet eine Dichtheitsprüfung nicht regelmäßig statt und der der Verlust wird zu spät bemerkt, kann es sogar zu Schäden am Kompressor kommen. Regelmäßige Wartung und Dichtheitsprüfungen helfen, solche Probleme frühzeitig zu erkennen.
2. Unsachgemäße Installation der Wärmepumpe
Fehler beim Einbau der Wärmepumpe können zum Ausfall der Heizung in der Heizperiode und zu Schäden am Gerät führen. Im Beispiel der Studie wurde eine Kondensatleitung falsch verlegt, nämlich ohne ausreichendes Gefälle. So konnte das Kondenswasser nicht richtig abfließen. Durch einen Kondesatstau im Gerät wurde die Elektronik der Wärmepumpe beschädigt.
3. Bedienungsfehler und falsche Einstellungen durch die Nutzer
Verbraucht eine Wärmepumpe mehr Strom als erwartet, kann das auch an falschen Einstellungen liegen. Im Beispiel der Studie galt das für eine recht neue Erdwärmepumpe. Der Installateur stellte bei einer Überprüdung fest, dass die Vorlauftemperatur für Warmwasser und Heizung zu hoch, die Heizkurve zu steil eingestellt waren. Die Eigentümer hatten die optimalen Einstellungen verändert, um die schnellere Beheizung des Gebäudes zu erreichen. Die Folge war ein höherer Stromverbrauch und ein ineffizienterer Betrieb aufgrund von häufigerem Takten (Zu- und Abschalten) der Anlage.
4. Verdichterschaden bei Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen)
Bei einigen Anlagen kann ein sogenannter Flüssigkeitsschlag im Verdichter auftreten. Dabei gelangt flüssiges Kältemittel in den Kompressor. Die Folge sind starke mechanische Belastungen und Schäden am Verdichter. Durch eine regelmäßige Wartung inklusive Druckprüfung können solche Schäden frühzeitig erkannt und beseitigt werden.
5. Defekter Kompressor durch Installationsfehler
Auch eine fehlerhafte Aufstellung oder Befestigung der Wärmepumpe kann zu Schäden führen: Ist das Gerät nicht richtig ausgerichtet, entstehen Vibrationen, die Lager und Ventile des Kompressors über längere Zeit belasten. Das kann zu einem vorzeitigen Ausfall der Wärmepumpe führen.
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6. Hohe Stromkosten durch defekten Ventilator am Außengerät der Wärmepumpe
Nach vier Jahren Betrieb arbeitete die Wärmepumpe eines Einfamilienhauses nicht mehr wie gewohnt: Statt des normalen Summens waren laute Schleif- und Klappergeräusche von der Außeneinheit zu hören. Gleichzeitig blieb das Haus kühler als gewohnt, obwohl die Heizung auf voller Leistung lief. Die Untersuchung durch einen Installateur zeigte einen Defekt am Ventilator auf: Das Motorlager war durch Feuchtigkeit und Schmutz stark verunreinigt. Da die Außeneinheit nicht regelmäßig gewartet und gereinigt wurde, hatten sich über einen längeren Zeitraum Laub und Fremdkörper angesammelt und am Ventilator angelagert. Das hatte zur Beeinträchtigung des Ventilators und schließlich zum Zusammenbruch des Luftstroms geführt, sodass die Wärmepumpe keine Wärme mehr gewinnen konnte. In der Folge war der elektrische Heizstab eingesprungen und lief seitdem dauerhaft, was die Stromkosten massiv erhöht hatte.
7. Fehlerhafte Außentemperatur-Sensoren = kalte Wohnräume
Die Bewohner eines mehrfamilienhauses bemerkten bei Außentemperaturen unter 0°C, dass die Heizkörper nicht ausreichend warm wurden. Obwohl die Wärmepumpe lief, blieb die Vorlauftemperatur deutlich zu niedrig. Der Fachbetrieb stellte fest, dass der Außentemperatur-Sensor falsche Werte lieferte: Deshalb ging die Heizungssteuerung von deutlich höheren Außentemperaturen aus und verringerte die Heizleistung. Die Folge waren kalte Wohnungen. Ursache für solche Fehler können Materialfehler, Feuchtigkeit, Kabelbrüche oder elektronische Störungen sein.
8. Anlage läuft, aber Heizleistung nicht erreicht, Betriebskosten steigen
Sind Heizkurve, Sensorzuordnung oder Prioritäten der Wärmepumpe falsch eingestellt, arbeitet das Gerät oft ineffizient. Typische Folgen sind häufige Start- und Stoppzyklen oder unnötiger Einsatz des elektrischen Heizstabs. Um hohe Heizkosten zu vermeiden, sollte die Heizkurve passend zu Gebäude- und Nutzerbedürfnissen eingestellt werden.
9. Vereisung des Verdampfers durch falsche Aufstellung
Die Außeneinheit einer Luftwärmepumpe benötigt ausreichend Platz für einen freien Luftstrom. Wird sie zu nah an Wänden oder anderen Hindernissen installiert, kann die Luftzirkulation gestört werden. Dadurch verschlechtert sich der Wärmeaustausch und es kann zu Vereisung des Verdampfers kommen, was die Heizleistung deutlich reduziert. Die vom Hersteller vorgegebenen Mindestabstände und Aufstellungsrichtlinien sollten bei
der Montage deshalb unbedingt eingehalten werden.
10. Schaden nach kurzer Betriebszeit? An Materialfehler denken!
In seltenen Fällen können auch Produktionsfehler auftreten. Haarrisse im Wärmetauscher führen beispielsweise zu schleichendem Kältemittelverlust und zu Leistungseinbußen der Anlage. Solche Schäden treten häufig schon nach kurzer Betriebszeit auf und werden meistens im Rahmen der Garantie durch den Hersteller reguliert.
Wie können Eigentümer:innen bei der Planung der Wärmepumpe unterstützen?
Eine gute Planung der Wärmepumpe gelingt nur, wenn auch die Bewohner:innen ihren Beitrag leisten. Dazu gehört die Klärung dieser Fragen und Punkte:
- detaillierte Erfassung des Gebäude-Ist-Zustands,
- die erforderliche / gewünschte / technisch mögliche Festlegung des Soll-Zustands,
- die genaue Definition und Beschreibung der beauftragten Leistungen in einer abgestimmten vertraglichen Vereinbarung, die alle Pflichten und Ansprüche definiert
- eine angemessene Honorierung / Bezahlung fachgerechter Leistungen
- die Beauftragung einer unabhängigen Bauqualitätssicherung als zusätzliche Kontrollinstanz, um mögliche Mängel rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen
- die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen, um sich mit der neuen Technik zu beschäftigen,
- die regelmäßige Wartung der Anlage
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Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V. / Institut für Bauforschung (IfB)

